Dass Modetrends stets vergangene Zeiten zitieren, ist unumgänglich. Schließlich kann kein Designer ständig Neues erfinden, ohne die Fashionistas schließlich in absurde Kreationen zu hüllen (Haut-Couture und Lady Gaga natürlich einmal ausgenommen).
Besonders inspirierend finden die Modeschöpfer seit einiger Zeit die 80er Jahre. Dabei werden nicht so sehr die modischen Eigenheiten vom Otto-Normal-Anzugträger dieses Jahrzehnts aufgenommen. Wer hat schon den Wunsch, wieder hellblaues Polyester auf der Haut zu spüren. Vielmehr erkennt man Bilder aus Serien wie Denver Clan und Miami Vice wieder. Hier sind sehr schön alle modischen Klischees versammelt, die man der Zeit heute zuordnet. Modeikone Joan CollinsIm Jahrzehnt von Aerobic, Bürgerinitiativen, Aids und Boris Becker wurden die Krawatten endlich wieder schmal nach einer Phase, in der Männer serviettengroße Binder umhängten, eine große Erleichterung. Der Punk hielt Einzug auf den Laufstegen, und so gaben verwegene Muster den Ton an, Kariertes traf auf Gestreiftes, Neon-Gelb war eine häufige Lieblingsfarbe, die Jeans wurde gebleicht und zerfetzt und die Schultern gepolstert. Die Karottenhose und die Leggins hatten Hochkonjunktur genau wie heute wieder. Das Revival der hautengen Stretchhosen verursachte in seiner Anfangsphase große Kontroversen. Für viele Frauen bedeutete des Verschwinden der Playbackhose eine große Erleichterung. Dass Designer diese nun wieder für modern erklärten, verursachte bei mancher ehemaligen Trägerin Entsetzen. Zu groß war der Schock, den alte Fotos ausgelöst hatten, auf den man sich selbst dauergewellt, Leggins tragend und scheinbar befreit von jedem Gefühl für Ästhetik begutachten konnte. Traumatische Mode-ErfahrungenÄhnlich traumatisch wirkte auf viele Frauen die Rückkehr der Schulterposter aus der Denver Clan-Dekade. Damals war der dicke Schaumstoff auf den zarten Rundungen Ausdruck von Emanzipation und Stärke. Das können wir auch war das Statement der Sakkos mit Footballspieler-Silhouette. Die Aufregung aber hat sich gelegt. Denn das Revival ist eines, das gut in das neue Jahrtausend passt. Denn längst zwingt die Mode dem Körper keine ihr ganz fremden Formen auf Kastenschultern sieht man auch bei gepolsterten Jackets nicht. Zwar begann in den 80ern mit der Aerobic-Bewegung die Sache mit der "my Body is my Temple-Philosophie", aber die trainierten Formen wurden nicht so deutlich wie heute vorgeführt. Die Rückkehr der SchulterpolsterUnd deshalb sind die Schulterpartien zwar wieder etwas breiter, aber haben eine mehr nach oben als zur Seite strebende Form. Werden sie über einem Kleid getragen, nimmt ihnen das außerdem die brutale Wirkung. Die Leggins wird selten bis zum Knöchel herunter gezogen und ist heute auch nicht mehr aus dickem Jerseystoff. Und vor allem zeigt man die enge Hose nicht mehr bis zur Taille und trägt dazu einen voluminösen Pullover mit Strasssteinen darauf. Stattdessen zieht sich das Oberteil bis über die Hüften und verschafft eine weiche und weibliche Silhouette. Darunter wirken dann auch kräftige Waden in Leggins vergleichsweise schmal. Und auf den Jeans zeigen sich (idealerweise) keine großen bleichen Flecken mehr, sondern zartere Aufhellungen. Auch wenn also die Skepsis groß ist, die Trends aus den 80ern werden unserer Zeit gemäß interpretiert und tun unseren Körpern damit durchaus gut. |
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